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Interview mit André Zuraikat

am 13. September 2014 in Winterthur

Christian Huggenberg



Wie bist Du aufgewachsen?

Ich bin in einem multikulturellen Umfeld aufgewachsen. Mein Vater kommt ursprünglich aus Jordanien. Meine Mutter hat italienische Wurzeln. Kennengelernt haben sich meine Eltern in den USA während des Studiums. Später kamen sie in die Schweiz, wo ich und meine Schwester geboren wurden. Durch die Tätigkeit meines Vaters bei einer internationalen Bank habe ich bereits in frühen Jahren sehr viel gesehen auf dieser Welt. Abgesehen von der Vielfalt in der eigenen Familie habe ich viele Kulturen, Eigenarten und Menschen kennengelernt. Ich erachte dies als ein Privileg und als eine Stärke. Es ist eine Kraft wie von meinen Eltern, die immer an mich geglaubt haben. Am Anfang meiner Schulausbildung war es schwierig für mich. Ich hatte zu kämpfen. Diskriminierung ist für mich kein Fremdwort. Aber meine Eltern haben mich immer gelehrt, positiv zu denken. Auch der Sport hat mir sehr geholfen und ist bis heute enorm wichtig für mich. Seit meinem 7. Lebensjahr mache ich Karate. Das gibt mir Halt und Selbstvertrauen und ich habe viel gelernt über fernöstliche Philosophie und Tugenden.


Was hat Dich geprägt?

Mein Sport, meine Freunde und vor allem die Familie sind die tragenden Elemente in meinem Leben. So kam es auch, dass ich nach meinem Maturaabschluss zuerst mehr über meine Wurzeln erfahren wollte. Ich reiste für ein halbes Jahr nach Jordanien, um Arabisch zu lernen und die Kultur sowie die Familiengeschichte besser kennen zu lernen. Es war ein eindrückliches Erlebnis. Erschien mir mein Familienname in der Schweiz oft als Nachteil, so erlebte ich in Jordanien genau das Gegenteil. Die Familie ist in Jordanien hoch angesehen. Die Geschichte der Familie ist eng verknüpft mit dem Aufbau des Landes. Zuraikat ist eine der grössten christlichen Familien in Jordanien und somit Teil einer Minderheit. Wozu ich sagen möchte, dass in Jordanien viele Minderheiten leben. Selbst die Jordanier sind im eigenen Land eine Minderheit. Die Mehrheit bilden die Palästinenser, welche aus ihren angestammten Gebieten vertrieben wurden. Es hat sich bei mir tief eingeprägt, wie tolerant die Jordanier sind. Menschen werden nicht aufgrund ihrer Nationalität oder ethnischen Zugehörigkeit beurteilt sondern aufgrund ihres Charakters oder weil man ihnen schlicht helfen muss. Das zeigt sich auch an der jetzigen Situation durch den Bürgerkrieg in Syrien. Jordanien hat 2 Millionen Menschen aus dem Nachbarland aufgenommen. Wenn ich das mit der Migrationspolitik der Schweiz vergleiche! Mit dem Erlebten hat sich bei mir die Überzeugung eingeprägt, dass es in einer Gesellschaft immer um das Wohl aller gehen muss und nicht um Einzelinteressen oder die Vorteile gewisser Gruppierungen. Das hat mich politisch geprägt.


Was machst Du beruflich aus Deinem breiten Hintergrund?

Es war immer mein Wunsch, in einem internationalen Umfeld tätig zu sein und dabei meine fünf Sprachen einsetzen zu können. Heute arbeite ich beim Versicherer AXA im internationalen Geschäft. Das macht mir Freude. Daneben studiere ich und bereite mich auf mein MAS BA vor.


Wie bringst Du Sport, Beruf und Ausbildung unter einen Hut. Bist Du ein Organisationstalent?

Gut organisiert zu sein, hilft immer. Wenn ich zum Beispiel ein Projekt angehe, bereite ich mich immer darauf vor. Dies beginnt etwa damit, dass ich vor einem Projektstart mit den beteiligten Leuten am liebsten etwas Essen gehe oder Kaffee trinke. So lerne ich Menschen kennen. Später beim Kickoff-Meeting für ein Projekt kenne ich die Leute bereits und ich bin vorbereitet. Dabei weiss ich dann schon, wer was am liebsten macht. Entsprechend versuche ich, die Personen im Team einzuteilen.


Wo hast Du das gelernt?

In erster Linie bei meinem Vater, der mit mir immer diskutiert hat und der mich zum Beispiel schon im Alter von 10 Jahren ein Budget für mein Taschengeld erstellen liess. Später kamen meine ehrenamtlichen Tätigkeiten dazu als Vertreter der Studenten in meiner Klasse, im Verein. Was mir hilft, ist auch meine Willenskraft. Mein Lebensmotto lautet: Live every moment as if it was your last.


Bist Du in Deinem Leben auch schon an Deine Grenzen gestossen?

Das habe ich oft während meiner Studienzeiten erlebt, als ich eine 7-Tage-Woche hatte. Unter der Woche habe ich studiert. Am Wochenende gearbeitet. In diesen Momenten hat mir der Sport besonders viel geholfen. Karate ist für mich Ausgleich und Motivator zugleich.


Hast Du auch Schwächen?

Manchmal fordere ich zu viel von anderen und auch von mir selbst. Das kann schwierig sein und ich muss mich selbst dazu anhalten, zurückhaltend zu sein.


Was ist Dir am allerwichtigsten im Leben?

Gesundheit und Ausgeglichenheit. Sehr wichtig ist für mich die japanische Weisheit Bushido. Die Lebensphilosophie der Samurai im alten Japan basiert auf den 7 Tugenden von Aufrichtigkeit, Mut, Güte, Höflichkeit, Wahrhaftigkeit, Ehre und Treue. Auch mein soziales Umfeld ist zentral für mich. Meine Familie, Freunde und Menschen, denen ich im Beruf und bei meinen Aktivitäten begegne.


Was hat Dich zur CVP geführt?

Die CVP vertritt ein sozialliberales Gedankengut. Der Mensch soll sich frei und liberal entfalten können. Andererseits braucht es den sozialen Rückhalt in unserer Gesellschaft. Der Mensch und die Familie stehen im Vordergrund. Die Familien leisten einen enormen Beitrag in unserer Gesellschaft. Sie sorgen dafür, dass wir weiterkommen, dass wir leben können und unsere Wertvorstellungen weitergegeben werden. All dies ist entscheidend für jeden einzelnen und für die Gemeinschaft. Hierfür setze ich mich ein und das kann ich sehr gut in der CVP. In den Grundsätzen der Partei ist das magische Sechseck sehr gut abgebildet. Die tragenden Eckpunkte sind sozialer Ausgleich, aussenwirtschaftliches Gleichgewicht, Umweltqualität, Vollbeschäftigung, Preisstabilität und Wirtschaftswachstum.


Was willst Du in der Politik erreichen?

Ich möchte mich dafür einsetzen, dass sich die Schweiz nicht weiter abschottet. Unser Land profitiert von den Nachbarn und den Menschen, die hierher kommen. Fremdes bereichert und sorgt für Vielfalt. Genauso am Herzen liegen mir die Familien. Sie sind der Kern unserer Gesellschaft. Sie brauchen unsere Aufmerksamkeit und Unterstützung. Daneben ist die Kultur sehr wichtig. Die Schweiz fusst auf unterschiedlichen Kulturen, Sprachen und Lebensauffassungen. Darauf basiert der Erfolg unseres Landes. Diese Kultur ist verantwortlich für unser politisches Selbstverständnis – sowohl auf lokaler Ebene wie auch national. Das ist die Stärke der Schweiz. Hier dürfen wir keine Abstriche machen. Ein feingliedrig ausbalanciertes politisches System und die Konkordanz sind Errungenschaften von enormem Wert. Für deren Erhalt will ich mich einsetzen.


Und wie willst Du den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft fördern?

Für den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft sind die soziale Gerechtigkeit, ein gutes Bildungssystem aber auch der Sport und eine durchdachte Wirtschaftsförderung essentiell. All diese Elemente sind wichtig für den Erhalt unseres Wohlstandes und der Lebensqualität. Entsprechend definiere ich die Grundpfeiler meiner Politik:


Soziale Gerechtigkeit

Unabhängig davon, wo ein Mensch herkommt, wie alt oder welches Geschlecht er und sie haben. Oder aus welchem religiösen oder sozialen Hintergrund sie herstammen. Alle Menschen sollten gleich behandelt werden in unserem Land und eine Chance haben, dazuzugehören, anzukommen und respektvoll behandelt zu werden. Das ist wichtig für den sozialen Frieden in unserem Land aber auch für das Selbstwertgefühl jedes einzelnen Menschen und für die ganze Gesellschaft.


Solide Bildung

Bildung fördert das kritische Denken. Das ist unser Rohstoff, den wir immer weiter veredeln sollten, damit wir auch zukünftig eines der innovativsten Länder der Welt bleiben. Zudem leistet ein gutes Bildungssystem einen fundamentalen Beitrag zu unserem Demokratieverständnis. Die Menschen in diesem Land reden mit, weil sie gut gebildet sind. Das zeigt sich jeweils an Abstimmungen, wo doch meist ein guter Common Sense entscheidet. Herr und Frau Schweizer treffen gute Entscheide, wofür unser Land weltweit bewundert wird. Ich finde, es lohnt sich enorm, sich dafür einzusetzen, dass dies so bleibt.


Attraktiver Wirtschaftsstandort

Um Arbeitsplätze zu sichern und zu schaffen, benötigen wir einen attraktiven Wirtschaftsstandort. Politische Stabilität und gute Lebensqualität sind wichtige Voraussetzungen, damit wir für Investoren attraktiv und wettbewerbsfähig bleiben. Wir sind ein Land der KMU. Sie sind das Fundament der Schweizer Wirtschaft und die Voraussetzung für die Schaffung von Mehrwert und Arbeitsplätzen. Aus diesem Grund möchte ich mit dafür sorgen, dass es den Unternehmen gut geht und die bürokratischen Hürden nicht zu hoch werden.  


Gute Sportförderung

Die Schweiz ist ein Land der Vereine. Viele Menschen treiben Sport und teilen ihre Hobbies. Es gibt wenige Länder, in denen sich so viele Leute ehrenamtlich betätigen. Das ist ein grossartiges Fundament für den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft. Das muss gefördert werden. Es geht nicht an, dass wir hier Abstriche machen, wie zum Beispiel jüngst bei J+S. Das ist fatal. Der Sport fördert den sozialen Austausch und den Zusammenhalt. Darüber hinaus wirkt sich Sport positiv auf die Gesundheit, die Motivation im Arbeitsleben und auf das private Leben aus. Hier kann man doch nicht sparen. Soziales Engagement ist wichtig.